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[24.05.2006] Gladbeck - die Sensation - ein Bericht

Kurz die Fakten: Der Bundesliga-Auftakt ist zweigeteilt. Am Morgen müssen die fünf Mannschaftsmitglieder einen Supersprint (250 – 5 – 2,5) absolvieren. Aus der Addition der Zeiten ergibt sich die Mannschaftsplatzierung. Am Nachmittag werden dann alle Athleten des Teams gemeinsam mit den Abständen zur führenden Mannschaft (Gundersen-Methode) ins Rennen geschickt. Nach einem Sprint-Tri (550 – 20 – 5) ist der der Sieger, der als erster durchs Ziel läuft.

Für Potsdam sind Dan (Daniel Beynon), Peppi (Philipp Herrmann), Piefke (Mathias Dietze), Greg (Gregor Buchholz) und Nils (Nils Frommhold) an den Start gegangen.

So Schluss mit Sachlichkeit. Was die Jungs da am Wochenende geleistet haben war der Wahnsinn. Wir haben zwar im Vorfeld gesagt, dass alles möglich sei, aber mit einem solchen Einstand hat dann doch keiner gerechnet. Dabei ging es morgens gar nicht so gut los. Dan kam nicht richtig in die Gänge und blieb mit Platz 22 unter seinen Möglichkeiten. Bei Peppi ging eine Minute vor dem Start sein Top kaputt. Zum Glück hatte wir noch ein Ersatz-Top dabei und konnten schnell tauschen. Er war danach aber so durch den Wind, dass er in der Wechselzone an seinem Rad vorbei lief und kurz später auch noch stürzte. Die Gruppe war weg. Er bewies dennoch Moral, kämpfte um jede Sekunde und wurde schlussendlich 67.

Piefke hatte sich vorher mit weiteren Athleten abgesprochen, um auf dem Rad eine gemeinsame Attacke zu starten. Als dann jedoch die Post abging war er nicht dabei. Trotzdem reichte es nach sehr guter Laufleistung zu Platz 47 und seiner besten Platzierung in Gladbeck.

Dann kamen die beiden „Neuen“ und jüngsten im Team. Zuerst Greg. Er schwamm gut, verpasste dann aber beim Radfahren die erste Gruppe. Mit seinem Laufturbo konnte er jedoch wieder nach vorne laufen und schlug in seinem ersten Bundesligarennen Triathlongrößen wie Faris Al-Sultan - am Ende Platz 29.

Dem setzte Nils noch die Krone auf. Er kam in einem sehr stark besetzten Lauf als erster aus dem Wasser. Auf dem Rad musste er nur am Ende Kris Gemmel (Weltcupgewinner und in der Top zehn der Weltrangliste platziert) ziehen lassen. Auf der Laufstrecke hielt er mit der Spitze der Verfolgergruppe mit und wurde in seinem Lauf 5., insgesamt 26.

In der Addition ergab das zunächst Platz acht. Die bis dahin führende Mannschaft, das Asics-Team aus Witten, hatte aber einen Regelverstoß durch Steffen Justus begangen. Als Strafe wurde er auf den letzten Platz gesetzt und Witten fiel bis auf Platz zehn zurück. Wir rückten auf den siebten Platz vor und hatten eine super Ausgangssituation für das Verfolgungsrennen am Nachmittag. Doch dann geschah, was keiner von uns erträumt hatte.

Zum Glück muss ich darüber nicht mündlich berichten, denn ich bin zwei Tage nach dem Rennen immer noch heiser. Beim Schwimmen mussten die fünf Jungs zwar Halle und Witten vorbeilassen, sie blieben aber fast immer zusammen und stiegen geschlossen aus dem Wasser. Für den Radpart hatten wir die Devise ausgegeben die erste Runde Anschlag zu fahren, um den Anschluss zu den starken Mannschaften wie Halle, Witten und Obergünzburg herzustellen. Dies gelang kurz nach der ersten Runde. Es kam jedoch noch besser.

Das Knäuel um das Asics-Team, hier wurde die Order „Alles nach vorne“ ausgegeben, machte immer mehr Zeit nach vorne gut. Eine Mannschaft nach der anderen wurde eingesammelt. Piefke als erfahrener Radfahrer leitete unser Team hervorragend. Er sollte derjenige sein, der beim Laufen zurückfallen darf. Daher machte er den Großteil der Arbeit auf dem Rad. Damit aber nicht genug.
Er schleuste die Jungs Platz um Platz nach vorne. So geschah es, dass wir als dritte Mannschaft und erste aus der großen Verfolgergruppe vom Rad stiegen. Jannis und ich trauten unseren Augen kaum. Nach dem Wechsel wurde zwar ein Platz eingebüßt, aber es war eigentlich klar, dass man Witten mit einem Kader von internationalen Spitzenathleten nicht halten kann. Wie besprochen fiel Piefke zurück und hatte nun nur noch die Aufgabe die Mannschaft nach hinten abzusichern, falls unerwartete Schwierigkeiten auftreten.

Die gab es aber nicht und die vier zündeten den Turbo. Sie ließen Witten nie aus den Augen und gaben den vierten Platz nie ab. Als sie mir dann immer noch als vierte im Stadion entgegenkamen war für mich kein Halten mehr. Ich lief neben der Mannschaft her, quer durch die Wechselzone. Die letzte Kurve… immer noch vierter.

Griesheim hatte nur winzige vier Sekunden Rückstand. Aber sie ließen es sich nicht mehr nehmen. Überglücklich und total fertig kamen sie ins Ziel. Als wenig später Piefke eintrudelte, lagen sich alle in den Armen.

Wir haben wieder ein Team. Alle haben super harmoniert und für die Mannschaft gekämpft. Besser geht’s nicht.

Moritz von Wysiecki

 

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