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Geschrieben von: Marit Schützendübel und Steffen Dörnbrack
Porec, eine kroatische Kleinstadt auf der Adria-Halbinsel Istrien, war das Ziel. Mit den Erinnerungen des Vorjahres mit Temperaturen über 25 Grad, vierzehn Tagen Sonne, Schwimmeinheiten im offenen Pool und kurz/noch kürzer auf dem Rad, wurden in diesem Jahr angesichts der zeitigen Feiertagstermine, die sich leider immer noch nach dem Mond und nicht dem Rahmentrainingsplan richten, waren die Erwartungen schon etwas herabgeschraubt. Allerdings wäre man auch schon mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt und schneefreien Straßen besser dran gewesen als zu Hause. Die niederschlagsreiche Anreise, alternierend zwischen Schnee, Schneeregen und schlechtem Wetter, dämpfte die Erwartungen zusätzlich.
Umso größer die Freude am nächsten Morgen als man vom Balkon aus einen sonnigen Blick über Porec auf die Adria genießen konnte. Zwar war das Wetter im Verlaufe der zwei Wochen nicht durchgängig gut, jedoch beschränkte sich der Regen auf die ohnehin eingeplanten Regenrationstage. Auch war es ganz nützlich, dass extra für die Triathleten der offene Pool mit einer Traglufthalle überdacht worden war. Zwar ist der 25m-Salzwasser-Pool immer auf 27°C geheizt, jedoch hätte der Boreas (kühler Wind aus Nordost in Istrien) wohl die eine oder andere Schwimmeinheit sabotiert.
Aber Schwimmen in der Halle kann man ja auch zu Hause. Und so zog es auf die Laufstrecken und vor allem auf das Rad. Eine große Auswahl an Streckenführungen erlaubt einem, die unterschiedlichen Regionen der Halbinsel zu erreichen. Direkt hinter der Adriaküste steigt das Land leicht um hundert bis zweihundert Meter an und geht dann in eine hüglige Landschaft über. Dabei winden sich die Straßen nicht nur horizontal über das Relief, sondern auch vertikal, denn offensichtlich haben die Straßenbauer bereits frühzeitig daran gedacht, wie unangenehm es für Radler ist, kilometerlang geradeaus gegen den Wind zu strampeln. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die frühzeitlichen Gründer der Ortschaften diese vornehmlich auf den Hügeln bzw. Bergen errichteten, um sie vor Überfällen besser schützen zu können. Und natürlich mussten die Straße da durch und nun auch die Radfahrer
Weiter im Landesinneren, steigen dann die Berge weiter auf Höhen zwischen 400-600m an, um an der Ostküste der Halbinsel mit dem Vojak 1300m zu erreichen. Der Gipfel ist übrigens auch über eine Straße zu erreichen und bietet eine wunderbaren Blick über Istrien und bis in die Dolomiten. Im Süden fällt hinter dem Ljimski Kanal, der als tiefe Schlucht Istrien von der Westküste aus Richtung Osten durchzieht, das Land leicht ab.
Am beeindruckensten sind sicherlich die Touren um den Stausee Butoniga, bei denen man zahlreiche gut erhaltenen Örtchen aus der vorchristlichen Zeit streift. Also etwas für Genießer

Die Straßen sind derzeit in einer Metamorphose begriffen. Zahlreiche sind bereits neu und gut ausgebaut, besonders bei kleineren jedoch kann man gelegentlich auf rauen Belag treffen. Leider sind die Karten aus der Region auch nicht immer ganz aussagekräftig, und so kann sich schon mal eine Tour, wenn man sich nicht vorher von Ortskundigen beraten hat lassen, auf eine Sandpiste einige wenige Meter durch die Berge führen. Insgesamt kann man aber sagen, dass sich der Zustand der Straßen von Jahr zu Jahr bessert und bald auch den verwöhntesten zufrieden stellen dürfte.
Apropos verwöhnen: Das tut das milde Mittelmeerklima sicherlich jeden. So fühlten sich 15° dort auch irgendwie ganz anders an als zu Hause. Und erst einmal der Latte Macchiato in der Altstadt im Hafen: In gemütlichen Kaffes sitzen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, schillige Musik hören und dabei plätschert das Leben des Ortes genauso gemächlich an einem vorbei wie die Wellen der himmelblauen Adria GREAT!
Versorgungstechnisch gibt es allerdings Probleme: Im gewählten Hotel Pical ist es auf Grund des reichhaltigen und abwechslungsreichen Frühstücks- und Abendbuffets relativ einfach, seine Konfektionsgröße zu überbieten. Außerdem kann der genusssüchtige Triathlet seine Heißhungerattacken problemlos in den örtlichen Konsum-Läden befriedigen, die ein Angebot nach mitteleuropäischem Standard führen. Oder einfach noch ein Stück Torte zum Latte
Schön an der Destination ist die Möglichkeit, neben ordentlichem Training auch einen schönen Urlaub absolvieren zu können. Am Abend wird man nicht permanent mit seinem Triathleten-Sein konfrontiert. Tri-Finisher-Shirts und Badelatschen sind eher selten im Hotel Pical, dafür gibt es eine bunte Mischung: Österreicher Tennisspieler (in Massen), Berliner Segler, britische Senioren, Italienische Fußballer aber natürlich auch Triathleten aus der Alpenregion.
Aus dieser war auch eine Trainingsgruppe angereist, die durch die Zeitschrift tRILIFE (ein selbsternanntes Triathlon-Lifestyle-Magazin :-) für die Alpenländer) für die Teilnahme am IRONMAN Klagenfurt gecastet worden war. Gut unterstützt von Sponsoren griffen sie mit Polaruhren, Orcas Apex und Cervélos P3 an. Dabei muss es sich um eine besonders harte Spezies handeln, denn Zeitfahrmaschine, Carbon-Laufräder und Schlauchreifen sind für dortige Straßenverhältnisse wirklich nicht das wahre, um Langdistanz-Ausritte gut zu überstehen. Aber vielleicht täuschte es ja auch. Die weiteren Abenteuer bei der Metamorphose vom Rookie zum IRONMAN kann man ja unter trilife.at verfolgen.
Das Lauftraining muss in Porec übrigens auch nicht zu kurz kommen. Vom Hotel aus führen in beide Richtungen schöne Strecken am Meer entlang oder auch in das hüglige Hinterland, natürlich auf dem typisch mediterranen härteren Untergrund. Für Tempoeinheiten bietet ich übrigens auch ein schöner neuer Sportplatz, zwei Kilometer vom Hotel entfernt mit Blick auf Stadt und Adria, an. Auf dem guten Tartanbelag merkt man erst einmal, wie ausgtreten die Pfade am Luftschiffhafen schon sind. Die dortige Sportschule hält auch noch weitere Sportanlagen bereit, derzeit im Bau ist ein olympischer 50m-Pool und eine Arena für die Handball-WM.
Kurz zusammengefasst: Porec hat eine Menge zu bieten und auch aus einem sportiven Urlaub kann man erholt wieder nach Hause kommen. Das sportliche Umfeld ist für Triathleten völlig in Ordnung, die alte Kulturlandschaft (in Porec unter anderem die Eufrasika-Basilika, von der aus die Gebrüder Kyrill ihre Schriftzeichen in die katholisch-orthodoxe Welt trugen oder der römische Bummelboulevard Dekumanus mit Neubauten aus der venizianischen Zeit) bietet für den Interessierten viele neue Eindrücke und der Erholungssuchende ist in der Sonne am Pool, am Strand oder im Cafe bestens aufgehoben.
Bild und Text, Marit & Matt
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