IMWC 2019 – Die Fahne hochgehalten

Eindrücke von Marcel Bossog

Nachdem mein „Road to Kona“ ja eher felsig und schwer verlief, war das Ziel auf ein solides Finish neu justiert. So reiste ich rechtzeitig am 28.09. voller Ehrfurcht nach Kona, die sich in den Tagen noch verstärken sollte. Es ist schon heiß auf Big Island, sehr heiß und windig, sehr windig. Bei den ersten Trainingskilometern steigt der Respekt vor dem Rennen enorm. Hawai’i ist definitiv nicht für Ausdauersport geeignet. Während sich die meisten Starter in der Woche vor dem Rennen, mit dem üblichen Schaulaufen am Ali’i Drive, dem Radfahren auf den Quenn K’Highway und dem Schwimmen am Dig me Beach vergnügten, habe ich versucht einen kleinen Infekt loszuwerden und einen größeren Defekt am Rad zu heilen. Allein dafür sind 2 Tage drauf gegangen. Neues Schaltwerk, Kettenblätter und Laufrad waren eh „fällig“, war ja klar. Zwischendurch noch die Nationenparade wo ich die Ehre hatte als Fahnenträger den Deutschlandtrupp anzuführen. Was für ein großartiges Spektakel für Athleten, Zuschauer und für die Daheimgebliebenen. Freitag Testfahrt des rundum erneuerten Rades und Bike Check in, alles bestens organisiert, jeder mit eigenem Volontär. Raceday um 5:00 Uhr zum Bodymarking und die letzten übliche Handgriffe am Bike vornehmen. Die Luft voller Adrenalin und Ehrfurcht, die Stimmung der Helfer ein weiters Mal grandios. Das sollte sich auch bis zum letzten Tag nicht ändern.

Der Schwimmstart im Pazifik ist schon etwas Besonderes, wenn sich die Gruppe vor der Startlinie, welche die Surfer mit ihren Brettern bilden, sammelt und gespannt auf das Startsignal wartet. Nach 1:12 Std. bin ich völlig erstaunt aus dem Wasser gekommen. Immerhin war ich seit Juni nur für 3,5 Km im Wasser. Dieser Flow sollte nur wenige Augenblicke anhalten, denn schon nach den ersten Kilometern auf dem Rad war mir klar, dass wird ein Tag mit Überstunden. Obwohl seit Juni so gut wie kein Training möglich war, hielt ich eine Zielzeit von 11 Stunden für realistisch. Pustekuchen, mein Körper hat mich an dem wohl größten Tag im Leben eines Triathleten einfach im Stich gelassen. Ich habe mich in meiner sonst Paradediziplin durch die 180 km gequält, und bin verzweifelt in den Marathon gewandert. In jedem anderen Rennen wäre ich schon beim Radfahren ausgestiegen. Heute hieß es jedoch, DNF is not an Option. So beendete ich den wirklich längsten Tag trotzdem glücklich in einer bis zu diesem Tage noch nie erlebten Stimmung. Froh überhaupt an den Start gehen zu können, denn das war nach dem Ellenbogenbruch Ende August gar nicht so sicher.

Auf die Aussage bzw. Frage, „das Rennen zu genießen“ kann ich nur sagen: „bis auf wenige Momente im Rennen selbst ja“. Allerdings genieße ich tatsächlich Rennen besonders über die Langdistanz eher, wenn ich „all out“ gehe und dabei Grenzen verschiebe. Wie geht’s weiter? Ich freue mich auf das Jahr 2020, auf viele Trainingseinheiten und Events mit dem Zeppelin Team Potsdam.

Mahalo liebe Zeppeline!!!!!!!

Marcel

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